Nachgefragt: Zaubergläser gegen Knochenkrebs - aktueller Stand

Vor einiger Zeit berichtete ich hier über die "Zaubergläser gegen Knochenkrebs", sprich über Substanzen, die die Krebszellen beseitigen sollen und zeitgleich das gesunde Knochenwachstum anregen.

Ich habe bei Dr. Jörg Fellenberg und Dr. Fabian Westhauser aus der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg nachgefragt und mich über den aktuellen Stand dieses Forschungsprojektes erkundigt, sowie ein paar gezielte Fragen dazu gestellt.

Hier ein Auszug aus meiner Anfrage, den ich gerne mit Euch teilen möchte:



Herr Dr. Fellenberg, wie lange läuft Ihre Studie um die "Zaubergläser" noch?

Die Laufzeit unseres Projekts, welches sich mit dem Einfluss von bioaktiven Gläsern auf die Vitalität von Riesenzelltumorzellen befasst, beträgt noch weitere 2 Jahre.


Was genau sind bislang Ihre Erkenntnisse?

Wir haben den Einfluss von bioaktiven Gläsern auch auf das Wachstum von hochgradig malignen Osteosarkomzellen analysiert und auch dort eine signifikante Zytotoxizität beobachten können. Teile dieser Analysen wurden bereits in einem anderen Zusammenhang publiziert. (Wilkesmann et al. J Biomed Mater Res A. 2020 Mar;108(3):663-674).


Wurde in der Vergangenheit bereits mit "bioaktiven Gläsern" gearbeitet?

Verschiedene bioaktive Gläser sind bereits klinisch zugelassen und werden auch klinisch eingesetzt. Hierbei werden in erster Linie 2 Eigenschaften genutzt: Die starke Bindung der Gläser an Knochen, Zellen und Geweben durch die Ausbildung einer Hydroxylcarbonatapatitschicht auf der Oberfläche, sowie die osteogenen Eigenschaften der Gläser, wodurch die Knochenneubildung stimuliert wird. Da die bioaktiven Gläser selbst jedoch nicht die Stabilität von z.B. Knochenzement besitzen, werden sie bisher bevorzugt in der Zahnmedizin eingesetzt.


Haben Sie Erfahrung mit bioaktiven Gläsern im Bereich der Tumorendoprothetik?

In der Tumor-Endoprothetik werden bioaktive Gläser meines Wissens bisher noch nicht eingesetzt.

Wir verwenden die bioaktiven Gläser bisher nur innerhalb von in vitro Studien. Dort werden die Gläser direkt im Kulturmedium angesetzt. Eine Applikation der Gläser durch Mischung mit anderen Trägermaterialien, wie extrazellulären Matrices, Fibrinkleber etc. oder auch Blut ist aber denkbar.






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