Mythos "Malen als Therapie" - meine Kraftschöpfung

"Malen befreit die Seele, gibt Kraft und wirkt antidepressiv" sagt man diesem Handwerk nach. Besonders auf onkologischen Stationen findet man genau aus diesen Gründen oftmals Angebote, um sich künstlerisch auszuleben und damit dem harten Alltag der Therapie zu entfliehen. Auch in der Psychoonkologie ist das Spiel mit den Farben ein großes Thema und wichtiger Baustein der Nachkrebs-Zeit.

Auch ich habe Erfahrungen damit gemacht!


Von Katharina Edl



Jeder Mensch versteht unter dem Begriff "Kunst" etwas anderes. Für den Einen muss ein Werk "schön und erfreulich" sein, der Andere hingegen will Geschichten daraus lesen, die ihn intellektuell fordern.

Und was ist ein Künstler? Tatsächlich haben so manche persönliche Schicksale erst große Künstler hervorgebracht. Kunsttherapeuten sagen gerne: "Aus einer gebrochenen Seele entsteht die größte Kunst". Was vielleicht reißerisch klingen mag, macht jedoch Sinn - siehe die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo: Ihr schwerer Busunfall, der ihr Becken zerstörte veränderte ihr Leben drastisch, die dadurch entstandene Unfruchtbarkeit nagte an ihr schwer, ihr Herz war gebrochen. Und doch, oder vielleicht gerade deshalb, zählt sie bis heute zu den größten Künstlern aller Zeiten. “Ich bin nicht krank. Ich bin gebrochen. Aber ich bin froh, so lange zu leben, wie ich malen kann."



Und wie sieht es in der Krebstherapie aus, dort wo ebenfalls viel Leid, Schmerz und Sorgen zuhause sind? Ein Ulmer Krebspatient sagt: "Bei intensiver Beschäftigung mit dem Malen eines Bildes bemerkte ich mit Freude, dass bestimmte Schmerzen gar nicht mehr zu spüren waren. Nach einiger Zeit stellte sich bereits ein Wohlbefinden ein, wenn ich nur ans Malen dachte."


Dieses Gefühl des Ulmer Krebspatientens kann ich absolut nachempfinden!

Ich erinnere mich an die Sommertage, es war immer dienstags, als in der Münchener Kinderklinik die Kunsttherapeutin namens Elsbeth zu uns auf die Station kam - das war stets ein freudiger Tag.

Hier habe ich erstmals einen Zugang zu kreativen Arbeiten gefunden. Und es wirkte so befreiend! Wir drei Mädels, die wir uns ein Zimmer teilten, bastelten Schachteln, haben sie bunt angemalt und dabei für wenige Momente unsere schweren Krebserkrankungen vergessen, eher neue Kräfte getankt. Das kreative Arbeiten war für uns etwa ein Ausdruck von Lebendigkeit und waren uns dadurch sicher, gar nicht sterben zu können, sonst wären wir wahrscheinlich gar nicht in der Lage, so bunte Dinge zu erschaffen.


Sehr tiefgründige Gedanken, die wir drei, sehr junge Patientinnen im Alter zwischen 8 und 14 Jahren da hatten. Doch ich denke gerne daran zurück! Bis heute ist das kreative Arbeiten ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, ohne den mir etwas Bedeutendes fehlt!




Angefangen bei Schachteln, lernte ich später in der Reha durch Zufall den Gewebegips auf Leinwand kennen. Ein reiner Versuch, der glückte!




















++ Aus der Übung, sowie aus den verschiedensten (Lebens-)Erfahrungen heraus, entstanden letztendlich die Großwerke in Acryl und Formmasse auf Leinwand, denen ich mich bis dato widme: ++















Als Résümée kann ich sagen, dass erst die Krebserkrankung aus mir die Leidenschaft und das Gefühl für Farben und Formen herausgekitzelt hat. Was diese Erkrankung mir an sportlichem Vermögen nahm, gab sie mir in der Kreativität sozusagen wieder.




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