"Zusammen ist man weniger allein": Katharina Edl im großen Cancer Survivor-Interview

Aktualisiert: Apr 9

Ich hatte die große Freude der Regensburger Journalistin Melanie Vijoglavic Rede und Antwort zu stehen. Das Thema ist klar: die Initiative Cancer Survivor!



„Die Hoffnung führt uns weiter als die Furcht.“

Richard von Weizäcker


Es gibt Wahrheiten, die erzeugen unwillkürlich Angst. Eine dieser Wahrheiten ist, dass in Deutschland jedes Jahr knapp 500.000 Krebserkrankungen diagnostiziert werden. So erreicht auch die Diagnose "Krebs" die Betroffenen erst einmal mit voller Wucht. Dass man dem Krebs jedoch erfolgreich die rote Karte zeigen kann und dass aus dieser Erfahrung auch noch etwas sehr Gutes entstehen kann, beweist Katharina Edl. Nach ihrer geheilten Krebserkrankung „Ewing Sarkom“ im Kindesalter, hat sie heute die Plattform "Cancer Survivor" ins Leben gerufen. Auf meine Frage nach dem „Warum“ antwortet sie: „Ich weiß, wie wichtig es ist, in schweren Zeit Vorbilder zu haben. Zusammen ist man weniger allein.“ Und dann erzählt sie über ihre Initiative „Cancer Survivor“.


Liebe Katharina, wie kam es zu Deiner Initiative und der gleichnamigen Plattform? Was war Deine Intension?

Katharina Edl: Ich hatte tatsächlich schon länger das Bedürfnis mich im Bereich Krebserkrankungen ehrenamtlich zu engagieren, doch bislang fehlte die Idee, wie dieses Engagement konkret aussehen sollte. Plötzlich sah ich auf mein operiertes Bein und dachte: „Als ehemalige Krebspatientin hast Du selbst so viel zu erzählen. Teile doch Deinen Weg aus der Krebserkrankung! Das könnte Betroffenen Mut machen und der Seele guttun.“ In Kombination mit meiner Liebe zum Schreiben kam ich zum Entschluss, eine Webseite zu kreieren – mit dem treffenden Namen „Cancer Survivor“. Und plötzlich war die Idee geboren!


Die Initiative ist erst wenige Wochen alt. Wie war der Start?

Katharina Edl: Der Start war besser als gedacht. Bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Plattform erreichten mich sowohl die ersten Zuschriften von Betroffenen als auch von Menschen, die gar keine Berührungen mit Krebs haben, dennoch zur neuen Initiative gratulieren wollten und bekräftigten, wie wichtig solch ein Projekt sei. Also ein sehr positiver Start und ich kann nur sagen: Guad is ganga!


Deine Knochenkrebserkrankung liegt nun schon gut 12 Jahre zurück. Wieso engagierst Du Dich erst jetzt?

Katharina Edl: Das ist eine gute Frage, die ich ganz einfach beantworten kann. Ich habe tatsächlich ganze 12 Jahre gebraucht, um diese Krankheit seelisch, als auch körperlich zu verarbeiten. Ich war mit mir sehr im „Unreinen“, habe die Krankheit unterbewusst geleugnet. Im Laufe der Zeit hat sich mein Körper immer mehr von OP und Chemo erholt, ich wurde aktiver und vor allem schmerzfrei. Ich bekam dann den Bescheid, dass ich vollkommen geheilt bin, der Krebs ist ganz sicher besiegt. Das war für mich der Zeitpunkt zu sagen: Jetzt kannst Du anderen Betroffenen etwas mit auf den Weg geben und womöglich eine Vorbildfunktion übernehmen. Es ist für mich seither ein Ansporn zu schauen, was ich aus meinem, bis dato, immer noch eingeschränkten Bein herausholen kann – und da geht einiges!


Stichwort: Diagnose Krebs und Angst! Wie bist Du damals mit Deiner Angst umgegangen?

Katharina Edl: Bei der Bekanntgabe der Diagnose verfiel ich natürlich in eine Art Schock. Doch als Patientin befand ich mich schnell in dem Trott der Therapie und war folglich so sehr damit beschäftigt, dass ich quasi „keine Zeit für Angst“ hatte. Es waren vor allem meine Eltern und der Freundeskreis, die mir viele unangenehme und schlimme Details zu meiner Krankheit ferngehalten haben und mir so gut es nur ging eine schöne Zeit bescherten. Sie waren es, die eigentlich am meisten litten, weil sie mein Schutzschild waren und dabei nicht fühlen konnten, was ich gerade fühlte. Unglaublich, welch Stärke sie damals aufgebracht haben, damit ich mental bestens durch diese Krankheit komme und sie damit auch besiegen konnte. Einen starken Rückhalt zu haben ist das Allerwichtigste!


An wen oder welche Gruppen von Menschen richtest Du Dich mit Deiner Plattform?

Katharina Edl: In erster Linie richtet sich die Plattform mit ihrem Forum, den Mutmacher-Geschichten von Überlebenden, den Online-Interviews und meinem persönlichen Heilungsprozess, natürlich an Betroffene und deren Angehörige. Genauso wichtig finde ich es aber, Mediziner mit einzubeziehen und ihnen ebenfalls die Möglichkeit zu geben hier zu Wort zu kommen, um: ihre neusten Innovationen vorzustellen, Erfahrungen preiszugeben, oder einen Einblick in das Arztleben zu geben und dabei den Menschen unter dem weißen Kittel kennenzulernen. Für mich stellt der Arzt, sowie sein Patient „ein Team im gemeinsamen Kampf gegen eine Erkrankung“ dar. Der Operateur z.B. kann zwar ein Wunderwerk vollbringen, doch der Patient und sein Körper müssen das auch so umsetzen und damit leben können. Grundsätzlich ist diese Plattform ein Ort für ein gemeinsames Miteinander - im Sinne der Gesundheit.


Wie willst Du damit konkret Betroffene und Angehörige unterstützen?

Katharina Edl: Die wichtigste Botschaft dieser Initiative um ihre Plattform ist: Der Krebs ist kein Synonym für den Tod. Ja, es kann ein schwerer Weg sein, doch niemand ist bei diesem Kampf um sein Leben allein. Aus meiner eigenen Krankheitszeit weiß ich, wie wichtig es ist Vorbilder zu haben. Also Menschen, die diesen harten Weg der Chemotherapie und Operation bereits gegangen sind. Sie sind wahre Inspirationen und beflügeln. Genau das möchte ich mit dieser Plattform bei den Betroffenen und ihren Familien erreichen.


Wieso ist die Plattform grundsätzlich für ALLE Menschen interessant?

Katharina Edl: Von einem krebserkrankten Menschen kann man viel lernen: das Wertschätzen kleiner Dinge, das Leben im Augenblick, Durchhaltevermögen, Dankbarkeit. In unserer schnelllebigen Welt und im alltäglichen Trott, in dem man sich als „gesunder“ Mensch befindet, gehen diese Werte oftmals verloren. Auf der Plattform möchte ich diesen besonderen Werten einen Platz bieten und sie wieder ins Gedächtnis rufen.


Wer ist schon alles dabei beziehungsweise Teil des Netzwerkes?

Katharina Edl: Ich hatte die große Freude, bereits vor Start der Initiative feste Zusagen von Unterstützern bekommen zu haben. Das sind zum einen, Krebsüberlebende, die ihre Geschichte über die Plattform gerne teilen wollen, als auch das „Sarkomzentrum“ am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg, allen voran Prof. Dr. Axel Hillmann und sein Mitarbeiter Dr. Frederik von Kunow. Mit Prof. Hillmann verbindet mich meine erfolgreiche Tumoroperation. Umso schöner ist es, dass er und Dr. von Kunow Teil dieser Initiative sind. Doch egal, wer bislang an der Plattform mitgearbeitet hat: Es ist ein tolles Miteinander, wir können uns aufeinander verlassen, jeder arbeitet selbstlos und es entsteht sehr viel Positives, das wir wiederum an die Community weitergeben wollen.


Was sind Deine nächsten Ziele oder welche Schritte stehen an?

Katharina Edl: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist es ausschließlich online möglich aktiv zu sein. Wir nutzen aber die Zeit, um uns Gedanken zu machen, wie es für Cancer Survivor weitergehen kann. Mir ist es sehr wichtig, die Initiative auch einmal ins reale Leben zu transportieren, d.h.: persönliche Treffen mit Betroffenen, Angehörigen, Geheilten. Podiumsdiskussionen oder Vorträge mit Fachleuten aus Medizin, Sport, Krebsheilkunde. Wir werden sehen, wann wir diese Vorhaben in die Tat umsetzen können. Sobald es möglich sein wird, machen wir uns mit Feuereifer an die Arbeit!



Hoffnung ist Kraft. Es ist so viel Energie in der Welt, als Hoffnung drin ist.

Albert Schweitzer



Herzlichen Dank für Deine Worte, Deine großartige Plattform und vor allem für Dich, liebe Katharina!



Das Interview führte Melanie Vijoglavic.

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