Corona, Journalismus und Cancer Survivor: Initiatorin Katharina Edl im Talk

„Am liebsten würde ich nichts anderes mehr tun als mich der Plattform Cancer Survivor mit all Ihrem Potenzial zu widmen“, sprudelt es aus Katharina heraus. Während sie spricht, beginnen ihre wunderschönen, großen, grün-braunen Augen einzigartig zu glänzen und ihre Begeisterung fühlt sich höchst ansteckend an. Katharinas großes Lebensthema ist ihre schwere Krebserkrankung im Kindesalter. Ein Umstand, der sie bis heute begleitet hat und der ihr Sein und auch das ihrer Familie größtenteils bestimmt hat. Diese Erfahrung, die sie mit Leib und Seele, Herz und Verstand, durchlebt hat, hat sie nach ihrer körperlichen und seelischen Heilung, jetzt mit ihrem Beruf als Kommunikationsexpertin „Journalistin mit Fachgebiet ‚Medical Journalist‘ & Rhetoriktalent“ vereint: So schlug im März 2021 die Geburtsstunde für die ehrenamtliche Initiative „Cancer Survivor“. Ein Herzensprojekt, das sie nach dem Motto gestaltet: Hoffnung schenken, Austausch fördern und vereint Angst transformieren!


Katharina Edl im Gespräch mit dem Regensburger Unternehmen "KommUNIKATion".



Liebe Katharina, willst Du uns etwas über Deine Erkrankung im Kindesalter erzählen? Wie alt warst Du? Wie lautete die Diagnose? Wie ging es danach weiter? Welche Therapien hast Du bekommen? Wie hast Du es durchlebt? Katharina Edl: Im Alter von 14 Jahren erhielt ich nach zwei Jahren voller Schmerzen die Diagnose „Ewing Sarkom im rechten Becken“. Da es sich hierbei um einen hochgradig bösartigen Knochentumor handelte, musste ich mich dem vollen Therapieprogramm von Chemotherapie, über Operation, bis hin zu Bestrahlungen unterziehen. Mein „Glück“ war es, dass ich eben so jung und mein Körper noch dementsprechend „unverbraucht“ war, sodass ich die Therapiezeit mit all ihren Nebenwirkungen recht gut überstanden habe. Ganz besonders war es aber mein Familien- und Freundeskreis, die mir viel positive Energie gaben und mich von dem eigentlichen Drama um mein Leben etwas ablenkten. Ich denke, das war ein sehr wichtiger Faktor, der zur Heilung beitrug. Wie kam es dazu, dass Du den Beruf als Journalistin eingeschlagen hast? War es Dein Wunschberuf? Was sind oder wurden Deine beruflichen Schwerpunkte im Bereich der journalistischen Tätigkeit? Katharina Edl: Bereits während der Krebstherapie kristallisierte sich meine Stärke und Leidenschaft für das Schreiben und die Kreativität heraus. Es mag nun lustig klingen, doch meine ersten „Schreibversuche“ waren während der Krankheitszeit für die Verbandszeitung der „Meerschweinchenfreunde Deutschland“ – da ich Rassemeerschweinchen züchtete und dort als Züchterin gelistet war. Später schrieb ich dann regelmäßig für die Schülerzeitung meiner Schule, hingezogen hat es mich aber dann eher zum Beruf der Englisch-, Deutsch-, und Französisch-Lehrerin. Die Sprache war für mich immer schon der Schlüssel zur Welt und für diese drei habe ich bis heute eine besondere Passion. Außerdem fand ich es erfüllend, Menschen auf ihrem Entwicklungsweg mit meinem Wissen unterstützen zu können und ihnen die Dinge des Lebens näherzubringen. Diese Erfüllung finde ich heute als Journalistin in einer anderen Form wieder – nur ist das Publikum ein etwas Größeres! Letztendlich war der Weg zum Journalismus ein sehr schicksalhafter, denn beruflich begonnen habe ich im Bereich Grafikgestaltung, Videoproduktionen und Social Media Verwaltung. Erfahrungen sammelte ich u.a. im Bayerischen Landtag, als auch im Bundestag, bis ich mich selbstständig mit „KE Medien“ machte und langsam aber sicher das journalistische Texten in mein Repertoire aufnahm. Von daher lag mein Schwerpunkt freilich auf der Politik. Seit Kurzem widme ich mich aber auch Ländern, die nach anderen Lebensphilosophien leben als wir – besonders in Zeiten von Corona. Und natürlich beschäftige ich mich für Cancer Survivor mit der Tumororthopädie, wobei das mein Hobby ist. Was fasziniert Dich so sehr am Journalismus? Katharina Edl: Die Faszination ist die Tatsache, dass der Journalist eine unglaubliche Verantwortung gegenüber den Menschen hat und über ein recht starkes Instrument verfügt: Er kann sie nicht nur benachrichtigen und erreichen, sondern auch beeinflussen und Emotionen erwecken, dadurch werden wiederum Stimmungen in der Gesellschaft erzeugt. Das ist eine Fähigkeit, mit der man sehr behutsam und überlegt umgehen muss. Ich bin sehr glücklich als freie Journalistin zu arbeiten, denn hier kann ich den Ton angeben und frei entscheiden, was ich wie formuliere und veröffentliche. Das ist besonders in der heutigen, turbulenten Zeit ein absolutes Geschenk. Deine Initiative Cancer Survivor ist erst wenige Wochen jung. Ein solches Projekt wächst Schritt für Schritt vorab im inneren eines Menschen – begleitet und geleitet von unzähligen Gedankengängen wie auch Gefühlskarussellen. Alles ist ein Prozess. Was hat Dich bewegt? Was war Deine Intension? Willst Du uns die Schritte bis zur konkreten Idee Deiner Initiative verraten? Katharina Edl: Tatsächlich habe ich oft und lange überlegt, wie ein konkretes Engagement aussehen könnte. Natürlich hätte ich mich in einem ehrenamtlichen Verein engagieren können, doch ich bin überhaupt kein „Vereinsmensch“. Also musste ich mir überlegen: Was nun? Es war wirklich ein Prozess, in dem ich mir auch die Zeit nahm, mir diese Frage immer wieder zu stellen – unter Berücksichtigung, worin meine Stärken liegen, um diese dann für ein eigenes Projekt einzusetzen. Mein Credo war dabei immer: Wenn ich etwas in diese Richtung mache, dann zu vollen 100%. Es hat wirklich eine ganze Weile gedauert, bis ich die richtige Richtung für mich und das Projekt fand, denn ich hatte zuvor immer wieder Schwierigkeiten mein Schicksal anzunehmen und war folglich sehr negativ eingestellt. Als ich mehr und mehr mit mir ins Reine kam, kam ich schnell wieder auf das Schreiben. Ich wollte diese beiden Lebensthemen miteinander verbinden. Mittlerweile hatte ich einige Verlage und Medienvertreter erleben können und entwickelte ein Gefühl für das redaktionelle Arbeiten, bzw. das Verwalten einer Medienseite. „Warum nicht unter dem Namen ‚Cancer Survivor‘ eine Art Informationsplattform mit Herz gründen und regelmäßig dafür schreiben?“, kam mir in den Sinn. Natürlich war der Gedanke, dass ich dort groß und breit von meiner eigenen Geschichte erzähle, doch ich wollte auch andere Menschen zu Wort kommen lassen: Patienten wie Ärzte, um eine große Vielfalt zu erschaffen. Die Idee war fortan, eine Plattform zu erstellen, die medizinische Informationen beinhaltet, „Mutmacher-Geschichten“, genauso aber auch positive Inspirationen wie Hilfestellungen, mit der Möglichkeit, persönlich via Mail mit mir oder den Menschen, die sich bei Cancer Survivor engagieren, in Kontakt treten zu können. Das Erstellen der Plattform hat etwa 2 Monate gedauert und am 22.03.21 war dann endlich die Geburtsstunde. Doch eines ist ganz sicher: Der Entwicklungsprozess hat immer noch kein Ende gefunden. Das macht das Projekt aber sehr lebendig und spannend. Deine Knochenkrebserkrankung liegt gut 12 Jahre zurück. Gerade Anfang 2021 war für Dich die Zeit reif, Dein Engagement offiziell zu starten. Spielte hier auch „Corona“ – oder besser gesagt die Maßnahmen und Auswirkungen dessen – eine Rolle? Katharina Edl: Es mag aberwitzig klingen, doch das Corona-Jahr mit all seinen Maßnahmen hat mich so einige persönliche Lehren gelehrt, ziemlich entschleunigt und zum Nachdenken gebracht. Besonders aber habe ich gelernt, viel mehr auf mein Herz und meinen Bauch zu hören. Ich habe mir also ganz ehrlich die Fragen gestellt: Was ist mir wirklich wichtig im Leben? Worin sehe ich einen Sinn und möchte mich dafür stark machen? Die damalige Krebserkrankung ist einfach die größte Geschichte meines Lebens, die ich niemals werde ablegen können. Es macht also nichts mehr Sinn, als diesem Ereignis einen wahren Sinn zu geben. An wen oder welche Gruppen von Menschen richtest Du Dich mit Deiner Plattform? Katharina Edl: In erster Linie richtet sich die Plattform mit ihrem Forum, den Mutmacher-Geschichten von Überlebenden, den Online-Interviews und meinem persönlichen Heilungsprozess, natürlich an Betroffene und deren Angehörige. Genauso wichtig finde ich es aber, Mediziner mit einzubeziehen und ihnen ebenfalls die Möglichkeit zu geben hier zu Wort zu kommen, um: ihre neusten Innovationen vorzustellen, Erfahrungen preiszugeben oder einen Einblick in das Arztleben zu geben und dabei den Menschen „unter dem weißen Kittel“ kennenzulernen. Doch auch für die „Gesunden, nicht Krebserkrankten“ gibt es vielleicht den ein oder anderen interessanten Artikel zu lesen, z.B. wenn es um gesunde Ernährung und Entsäuerung geht. Für all das ist Platz auf der Plattform. Wie willst Du damit konkret Betroffene und Angehörige unterstützen? Katharina Edl: Ich denke, dass es grundsätzlich schon mal ein gutes Gefühl gibt, wenn Betroffene und Angehörige wissen: Da gibt es jemanden, der ist diesen schweren Weg auch schon mal gegangen und zwar mit Erfolg! Ich finde es auch wichtig zu zeigen, dass es sehr wohl Höhen und Tiefen während der Therapie geben kann, dass die Tumoroperationen den Körper auf längerfristige Sicht drastisch verändern können und dass man sich dafür auf keinen Fall schämen muss. Man muss einfach das Beste für sich aus der jeweiligen Situation herausholen und das versuche ich vorzuleben und die Betroffenen damit zu inspirieren. Wie war der Projektstart? Und wie verliefen die ersten Wochen mit Cancer Survivor? Katharina Edl: Der Start war besser als gedacht. Es sind bereits mehrere verschiedene Artikel online gegangen, u.a. das große Arzt-Patienten-Gespräch zwischen Prof. Axel Hillmann und mir. Daraufhin ist etwas passiert, das ich mir niemals hätte vorstellen können – zumindest nicht nach erst 4 Wochen aktiver Arbeit: Das Interview hat dermaßen hohe und positive Wellen geschlagen, dass mich vor allem Ärzte aus den verschiedensten Ecken Deutschlands kontaktierten, ihre Glückwünsche aussprachen und sich bedankten für die Inspiration, die das Interview ihnen gab. Einige erklärten sich sogar bereit, Cancer Survivor mit ihrer Fachexpertise unterstützen zu wollen. Hierdurch hat sich das Netzwerk enorm vergrößert, was mich unglaublich freut. Außerdem erschien im Mai ein großer Bericht über Prof. Hillmann und mich als seine genesene Patientin im Vereins-Magazin von Herzenswünsche e.V., mit dem zusätzlichen Verweis auf die Initiative und das Arzt-Patienten-Gespräch. Auch Prof. Hillmann und Herzenswünsche e.V. sind mittlerweile große Unterstützer. Der Gedanke, dass Cancer Survivor durch das Magazin weitere Menschen erreicht und ihnen bestenfalls eine Hilfe ist, macht mich schon sehr glücklich. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass die Initiative Cancer Survivor mit einem Paukenschlag begonnen hat. Das ist einfach ein Wahnsinn – im positiven Sinne! Aus eigener Erfahrung mit dem ehrenamtlichen Kinder-Hilfsprojekt HAYAG sowie natürlich aus unserem gemeinsamen Beruf „Journalistin“ weiß ich, wie zeitintensiv ein solches Projekt ist. Beobachtet man das Wachstum und Dein dahinterstehendes Engagement und Tun für die Plattform, erkennt man, dass das im Grunde mehr als nur einen Vollzeitjob abdeckt. Aus diesem Grund eine persönliche Frage: Wie ist Dir das möglich – beruflich wie finanziell? Welche Unterstützung bekommst Du? Katharina Edl: Mittlerweile habe ich ein gutes System. Der meiste Stress war tatsächlich die Vorbereitung vor Beginn der Initiative. Für die Plattform habe ich mir vorgenommen, für Themen und Beiträge genug Zeit „für die Entwicklung“ zu geben. Wie ich eingangs schon sagte, ist es mein Bestreben hier 100% zu geben, was so viel heißt wie: Qualität statt Quantität. Es ist nicht nur ein Herzensprojekt für die gute Sache, sondern auch ein geliebtes Hobby und der Ausgleich zu meiner „beruflichen Schreiberei“, wo es durchaus schnell gehen muss und je nach Thema viel komplexer ist. Interessant ist der Wechsel von der gefühlsbetonten Schreibweise bei Cancer Survivor, hin zur sachlichen, zielgeraden für Magazine und Co. Meine Familie und das freundschaftliche Umfeld unterstützen mich vor allem darin, wenn ich einen ehrlichen Ratschlag brauche. Doch gerade in den Krisen-Zeiten, wie wir sie derzeit erleben, verstärkte sich vor allem unser familiärer Zusammenhalt nochmal mehr. Egal, ob mein Bruder mit seiner Frau oder unsere Eltern: wir alle können uns aufeinander verlassen und sollte jemand in finanzielle, als auch persönliche Schwierigkeiten geraten, ist er nicht allein, sondern kann auf die Familie bauen. Bei uns gilt übrigens der Spruch: „Folge Deinem Herzen und der Erfolg wird Dir folgen“ und danach leben wir auch. Natürlich gibt es Familien, bei denen andere Sitten herrschen. Das finde ich absolut schade, denn Familie ist unsere feste Basis, unser Ursprung und die Voraussetzung ein erfülltes Leben führen zu können. So einen starken familiären Zusammenhalt wünsche ich wirklich jedem! Was sind die nächsten Schritte, die Du mit beziehungsweise für Cancer Survivor planst? Katharina Edl: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist es ausschließlich online möglich aktiv zu sein. Wir nutzen aber die Zeit, um uns Gedanken zu machen, wie es für Cancer Survivor weitergehen kann. Mir ist es sehr wichtig, die Initiative auch einmal ins reale Leben zu transportieren, d.h.: persönliche Treffen mit Betroffenen, Angehörigen, Geheilten. Podiumsdiskussionen oder Vorträge mit Fachleuten aus Medizin, Sport, Krebsheilkunde. Wir werden sehen, wann wir diese Vorhaben in die Tat umsetzen können. Sobald es möglich sein wird, machen wir uns mit Feuereifer an die Arbeit! Zum Schluss möchte ich gerne noch ein Thema aufgreifen, das vor allem junge Menschen betrifft: Wer in der Öffentlichkeit steht bzw. dort publiziert und in den Sozialen Medien sehr aktiv ist, der macht sich schnell angreifbar. Angreifbar besonders dann, wenn man kritische Themen anspricht oder tief in sein tiefes Inneres blicken lässt. Meine Abschlussfrage an Dich, liebe Katharina: Wie gehst Du damit um? Hast Du einen konkreten Tipp? Katharina Edl: Mein konkreter Tipp ist ganz klar: bei sich selbst bleiben und sich nicht von den äußeren Einflüssen und Kommentaren verbiegen, oder erschüttern lassen! Sich einfach seiner Linie treu bleiben, sofern man sich damit wohlfühlt. Das ist zwar nicht immer ganz einfach, doch das kann man trainieren. Ganz wichtig finde ich auch, sich niemals sein inneres Glück und seine Bestätigung von außen einzuholen. Natürlich ist es schön, wenn viel Zuspruch auf einen Beitrag kommt und obendrein auch der Chefredakteur begeistert ist. Doch ich versuche bei all dem was ich tue, immer darauf zu achten, dass vor allem ICH selbst damit zufrieden bin, ehe ich etwas online stelle oder in Redaktionen einreiche. So halte ich es auch bei Cancer Survivor: Ich kann niemanden zwingen sich für das Thema „Krebs oder Knochenkrebs“ zu interessieren, oder meine Ratschläge anzunehmen. Menschen können sich nur selbst von etwas überzeugen, wenn sie dafür offen sind. Ich kann lediglich meinen Weg gehen und mir auf die Fahne schreiben, stets eine gute Arbeit zu machen. Wenn Du Dir selbst treu bleibst, ehrlich bist und Deine Leidenschaft lebst, werden die Menschen Dir folgen und Dich auf Deinem Weg begleiten, weil sie Dich dann genau so wertschätzen, wie Du bist. Und das ist in der schnelllebigen Zeit, in der wir leben, pures Gold wert. Das ist mitunter auch eine Botschaft, die ich bei Cancer Survivor vermittle: Jeder ist genau richtig, so wie er ist! Herzlichen Dank für Deine offenen und berührenden Worte, Deine großartige Initiative und vor allem für Dich, liebe Katharina!

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